Einfach erklärt

Ritonavir ist ein Arzneistoff aus der HIV‑Therapie (Gruppe: Protease‑Inhibitoren). Heute wird er meist in kleiner Dosis als „Booster“ eingesetzt: Er bremst bestimmte Leberenzyme (CYP3A), die viele Medikamente abbauen. Dadurch bleibt z. B. ein anderer HIV‑Wirkstoff länger und stärker wirksam.

Beispiele:

  • HIV‑Kombitherapie: Ritonavir verstärkt andere Protease‑Hemmer (z. B. Lopinavir) – dadurch reichen geringere Dosen des Partnerwirkstoffs und die Wirkung hält länger.
  • COVID‑19‑Therapie (Paxlovid): Ritonavir dient als Booster für Nirmatrelvir. Es verlangsamt dessen Abbau, damit ausreichend Wirkspiegel erreicht werden.

Wichtig: Weil Ritonavir CYP3A stark hemmt, gibt es viele Wechselwirkungen (einige Kombinationen sind kontraindiziert). Das ist für Ärztinnen/Ärzte und Apotheker bei der Medikamentenliste besonders wichtig.


Professionelle Definition

Ritonavir (ATC J05AE03) ist ein antiretroviraler Protease‑Inhibitor und wird heute überwiegend als pharmakokinetischer Verstärker (PK‑Enhancer) eingesetzt, basierend auf der potenten Hemmung von CYP3A (sowie P‑Glykoprotein). In Kombination mit anderen antiretroviralen Protease‑Inhibitoren erhöht Ritonavir deren AUC/Spiegel und verbessert so Wirksamkeit und Dosierbarkeit.
Als Bestandteil der fixen oralen Kombination Nirmatrelvir/Ritonavir (Paxlovid) fungiert Ritonavir als CYP3A‑Inhibitor, um den First‑Pass‑/hepatischen Abbau von Nirmatrelvir zu reduzieren. Die fachlichen Produktinformationen/Leitlinien heben umfangreiche Arzneimittel‑Interaktionen hervor (CYP3A‑Substrate mit enger therapeutischer Breite, u. a. bestimmte Immunsuppressiva u. a.). Norvir ist der EMA‑Handelsname für Ritonavir in der EU (Erstzulassung 1996).


Quellen